Die von der Ford Motor Company Anfang der Woche angekündigte Kapitalzufuhr von bis zu 4,4 Milliarden sowie die Bereitstellung weiterer Finanzmittel in dreistelliger Millionenhöhe für die nächsten 4 Jahre sorgte innerhalb der Belegschaft für große Verunsicherung. Schnell wurde klar, dass der eigentliche Zweck dieser Zusage die Kündigung der Patronatserklärung aus dem Jahre 2006 ist und der bisherige Schutz vor einer Insolvenz nun nicht mehr besteht.
Benjamin Gruschka, Betriebsratsvorsitzender am Standort Köln Niehl/Merkenich, wandte sich am Mittwoch, den 12. März 2025, um 9:45 Uhr an die besorgte Belegschaft. In einer gemeinsamen Betriebsversammlung der Standorte Niehl/Merkenich sowie FCSD erklärte er: „Die Kündigung der Patronatserklärung ist unverantwortlich.“
Die Geschäftsführung möchte der Öffentlichkeit und der Belegschaft den Eindruck vermitteln, dass die alten Schulden der deutschen GmbH nun kein relevantes Thema mehr sind. Darüber hinaus wurde suggeriert, dass frisches Kapital in Aussicht stehe und die Ford-Werke nun gut aufgestellt sind, um in Zukunft Gewinne zu erwirtschaften, ohne die Unterstützung der amerikanischen Mutter.
Ohne eine klare und nachhaltige Unternehmensstrategie wird es Ford in Deutschland schwerfallen, langfristig stabile Gewinne zu erzielen. Die deutsche Ford-Werke GmbH hat keinen Einfluss auf die Unternehmensstrategie, das Produktportfolio oder wichtige Investitionen. Alle unternehmerischen Maßnahmen werden in den USA entschieden. Das aktuelle Geschäftsmodell sowie zahlreiche Fehlentscheidungen des Managements in den USA haben zur Ansammlung von Schulden in Milliardenhöhe in den deutschen Ford-Werken geführt.
Es braucht eine strategische Neuausrichtung der PKW-Sparte, die die Belange der deutschen Standorte berücksichtigt und an den europäischen Marktbedürfnissen ausgerichtet ist. Es ist fraglich, ob die nun in Aussicht gestellten Mittel hierfür ausreichen.
Für Interviews steht der Betriebsrat ab 13.30 Uhr vor dem Werkstor zur Verfügung:
Ford-Werke Köln Tor 24, Emdener Straße